V.

  1. Im Namen des Vaters

     

Die kalte Jahreszeit ist auf dem Bau oft von Arbeitslosigkeit gezeichnet. Fürchterlich. Die körperliche Anstrengung war wie eine Droge, sie fehlte mir. Also auf ins Fitnessstudio. Dort, im Schrein der Muskellen, hielt man verwundert bei einer junge Dame anorektischen Erscheinungsbildes inne, um fassungslos den Kopf zu schütteln.1 Dasselbe Bild zeigte sich Abends in der örtlichen Kampfsportschule: Während die anderen Schüler bereits nach 50 Sit-ups keuchend das Handtuch warfen und stöhnend alle Viere von sich streckten, wärmte ich mich nach 200 gerade erst ein bisschen auf. Sehr schnell gelang es, die Bewegungsmuster des Trainers so zu imitieren, dass ich am Ende sogar seinen Gesichtsausdruck drauf hatte. Das alles schien keine große Herausforderung zu sein. Dafür war mir auch die Mitgliedschaft viel zu teuer.

 

Ein einfaches "Hallo" war deutlich anstrengender als Liegestütz. Ob beim Sport, einem gemeinsamen Mittagessen oder auf der Arbeit: Visionen zu haben, konnte verstörend sein. Mein in solch einem Falle abwesender Blick verwirrte auch Gesprächspartner. "Was ist los", fragen sie und wedelten aufmerksamkeits-erheischend mit ihren Händen vor meinem Gesicht herum.

Geschieht oder kündigt sich aber etwas an, kann dies von Bedeutung sein. Jede Information muss unmittelbar geprüft werden. Verpasst ist verpasst, mal eben das Band zurückspulen - geht nicht!

Ein „innerer Anruf“ war nicht zwingend ein Grund zur Beunruhigung, aber man wurde zum zuhören verdammt. Kein Mensch nahm darauf Rücksicht. Je nachdem, wie viel man dann erfuhr (und wie detailliert), konnte dieses Prozedere sogar ziemlich lange dauern. Kaum lernte ich ein paar neue Leute kennen, mit denen ich zukünftig vermehrt zu tun haben würde, konnte ich mir teilweise schon einen halben Tag frei nehmen, um sämtliche Details dieser Begegnung zu erfahren und abzuarbeiten.

 

Der werte Herr Vater ließ mich nicht los. Ganz fest in mich verbissen wie ein Jagdhund in seine Beute zelebrierte er das altbekannte "sich Sorgen". Aus seiner Sicht gab es ja auch allen Grund dazu. Da durchlebte sein Kind diese ausgesprochen mystische Phase und probierte darin alles Mögliche aus. Damit nicht genug, wagte ich obendrein, mit ihm über diese Erfahrungen sprechen zu wollen.4 An der Stelle, an der andere Jugendliche sich ins Koma soffen oder ihr Wochenende auf Ecstasy durchtanzten, suchte ich innere Weisheit und Erlösung. Anleitung hierfür besaß ich zwar keine, verfügte aber über einen enormen inneren Ansporn. Ich hatte mich auf Frequenzen eingeschossen, welche mich befähigten, Wirklichkeit bereits wahrzunehmen, bevor sie sich manifestierte. Na, wenn das kein interessantes Forschungsgebiet darstellte!

 

Irgendwann war mir aufgefallen, dass ich keine Erschöpfung oder Schmerz kannte, mit dem Resultat, dass ich regelmäßig meinen Körper überbeanspruchte. Bevor ich merkte, dass mein Organismus am Ende war, musste ich zuerst umkippen. Meist schlief ich dann an Ort und Stelle ein, um später verwirrt zu mir zu kommen: auf dem Waldboden, der Baustelle, dem Sportplatz. Auf Dauer würde ich mich damit selbst zerstören. Aus diesem Grunde ging ich zunächst davon aus, ein professionellen Trainer würde die Sache schon richten.

Wo fand man einen solchen? Im Fitnessstudio? Man bestellte mich zu verschiebenden Tests ein.6

Gleich der erste verlief schon ungewöhnlich:

« Wie kann das sein? Das gibt´s ja gar nicht! »

Was war los?

« Was ist? »

Hatte ich etwas falsch gemacht?

« Habe ich etwas falsch gemacht? »

« Nein!!, ... aber... » druckste er herum und beäugte mich kritisch von allen Seiten,

« … ich verstehe das nicht. Sie haben kein einziges Gramm Fett am Leib! »

War das denn so schlimm?

« Und? Ist das schlimm? »

« Nein! … aber... das habe ich ja noch nie erlebt! Jeder Mensch hat ein wenig Körperfett, selbst die Schlanken! » klagte er an.

Darauf konnte ich ihm keine Antwort geben. Essgestört war ich nicht.7 Ich überlegte. Wenn er mich anklagte, brauchte ich eine dazu passende Entschuldigung.

« Ist das vielleicht so, weil ich so viel Sport treibe? »

Ich fuhr überall mit dem Fahrrad hin, manchmal auch einfach nur so zum Spaß. Noch nie hatte ich jedoch darüber nachgedacht, mich dafür in irgendeiner Form schämen zu müssen.

« Nein. Damit hat das nichts zu tun. » sagte er.

Ich zuckte die Schultern. Dann konnte ich ihm auch nicht helfen. Kopfschüttelnd ging er zum nächsten Test über, einem Reaktionstest. Dass ein Mensch sehr schlank sein konnte, hatte sein Weltbild nur ganz sacht ins Wanken gebracht. Was nun folgen sollte, war jedoch erschütternd. Unangestrengt und lächelnd legte ich eine Reaktionszeit von 0,13 Sekunden hin. Weil ihm das derart unnormal vorkam, musste er, um sich von dessen Richtigkeit zu überzeugen, den Test sogar noch einmal wiederholen.

Eigentlich (das muss ich ja zugeben) war ich für meine Verhältnisse sogar noch ziemlich langsam gewesen. Ich hatte mich zusammengerissen, wenigstens halbwegs normal zu wirken. Wenn ich gewollt hätte, hätte meine Reaktionszeit bei 0,0 Sekunden gelegen. Das konnte ich nun wirklich nicht bringen. Also versuchte ich bewusst, ganz langsam und gemütlich zu reagieren. Trotzdem sagte er erschrocken:

« Das kann nicht sein. Das machen wir am besten gleich nochmal. »

Der erneute Versuch erbrachte natürlich kein anderes Ergebnis (dieses Mal schaffte ich, mich immerhin auf 0,14 Sekunden zu steigern), so dass er es dann dabei beließ.

Danach folgte der Ausdauertest. Dafür verfrachtete er mich auf einen Fahrradtrainer & schloss mich an ein Gerät an, welches die Herzfrequenz überwachte. Brav fing ich an zu strampeln, strampelte und strampelte, während mein Puls wie gewohnt gleichbleibend stabil bei 80/90 Umdrehungen blieb. Auch, als er die Belastung immer höher und höher einstellte, stieg der Herzschlag nicht über 100 Schläge pro Minute. Jedes Mal, wenn er wiederkam, um einen höheren Schwierigkeitsgrad einzustellen, war auch sein Gesichtsausdruck verbissener. Bald begann er, offen & laut vor sich hin zu fluchen.

« Was ist los? » fragte ich, fürsorglich wie immer.

« Jaa..., » nöhlte er herum,

« Mann! » redete er mit sich selbst,

« … ist das Ding kaputt oder was!? »

« Das geht doch hier nicht mit rechten Dingen zu!!! » vor sich hin brabbelnd,

« Was soll denn das! »

Nervös und fast schon offen aggressiv erhöhte er verzweifelt entschlossen noch einmal den Widerstand (er war jetzt auf der höchsten Stufe) und stapfte wütend davon. Als er dann nach ein paar Minuten wieder kam, um die Anzeigen zu kontrollieren, begann er zufrieden zu lächeln. Mein Puls war immerhin jetzt auf über 110 angestiegen.

« Na, also! Geht doch! »

Zufrieden wies er mich an, mit meiner Strampelei aufzuhören.

Neugierig fragte ich ihn, wo denn sein Problem gelegen habe. Er erklärte mir (dabei wieder eindeutig vorwurfsvoll):

« Das Ergebnis, welches Sie erzielt haben, ist eines, welches normalerweise ausschließlich Leistungssportler erbringen » um eindringlich (zwar leise, aber immer noch vorwurfsvoll) hinzuzufügen:

« Und nicht nur das: die Leistung, die Sie erbracht haben, wäre eine, welche man von einem Mann, der Leistungsport betreibt, erwarten würde. Frauen erbringen solche Leistungen nicht. »

Ach was, da war der Kerl war doch bestimmt falsch informiert.

« Wirklich nicht? »

« Nein. » behauptete er entschieden.

Aber ich war doch kein Mann? An dieser Argumentation hinkte irgendwas ganz gewaltig.

Als die Adressdaten aufgenommen werden sollten, gab es erneut eine Gänsehaut: Ich wohnte in einem Haus mit der Hausnummer 13. Den armen Kerl durchliefen Wellen der Angst. Abergläubisch war er offenbar auch noch. Als ich mich verabschiedete, saß er wie erschlagen draußen auf der Treppe.

 

Wie geht das überhaupt? Wie kann man etwas wahrnehmen, das noch gar nicht passiert ist? Eigentlich müssten, um das herauszufinden, nur die richtigen Messgeräte zum Einsatz gebracht werden. Solche, die eine energetische Ladung zu zeigen vermögen. Energiepotentiale sind unter anderem die Ursache all unserer wohl koordinierten Bewegungen. Der elektrische Impuls kommt vor der Bewegung, die er einleitet. Ist ein solcher erst einmal unterwegs, kann diese kaum noch gestoppt werden, weshalb sogar selbst dann eine Bewegung folgen wird, wenn diese aus ihrem Kontext heraus gar keinen Sinn mehr ergibt. Mit unserer Wirklichkeit verhält es sich ähnlich. Licht-Impulse und Energie-Potentiale wahrnehmen, lesen und interpretieren zu können, machte mich hellsichtig.

 

Wie ich heute weiß, habe ich damals u.a. auch die Frequenz der Sonne wahrgenommen. Planeten schwingen. Für das normale Gehör nicht wahrnehmbar. Ich „hörte“ es auf einer anderen Ebene: der meditativ fokussierte Moment. Ein bisschen hatte es etwas vom Schlagen eines unermesslich großen Herzens, eines, welches nur bei absoluter (innerer) Stille wahr genommen werden konnte. Liebevoll stellte ich es mir als den Herzschlag des Universums vor.9

 

Was bestimmte Frequenzmuster bedeuteten, war mit ein wenig Übung oft unschwer zu erkennen. Einige Dinge waren klar – so klar wie beispielsweise eine Rolle Klopapier unmissverständlich eine Rolle Klopapier ist. Nur wer eine solche nicht kennt, wird erst einmal das Rätseln anfangen. So auch bei mir: Vertraute Energiesignaturen konnten ebenso zweifelsfreie Assoziationen hervorrufen - dann sah ich vor meinem inneren Auge eine zukünftige Szenerie ablaufen. Wusste ich aber in Ermangelung geeigneter Vergleichsmöglichkeiten mit dem, was ich wahrnahm, nicht viel anzufangen, konnte ich lediglich mutmaßen.

 

Zuerst nutzte ich es, um auf die Art meinen Alltag besser planen zu können. Zur Orientierung dienten wiederkehrende Muster und Gesetzmäßigkeiten. Darin klar vorhersagbar, blieb genügend Zeit sich damit auseinander zu setzen, bevor es geschah. Wenn nichts einen mehr überraschen konnte, war man für alles gewappnet - soweit die Theorie. Die Ebene, in der die Dinge nur als reine Information - als bloßer Impuls - existieren, nenne ich heute die „halb-manifestierte“ Welt. Energetische Impulse sind eine Vorstufe zu dem darauf folgenden, sich auf irdischer Ebene manifestierenden Geschehen, welches als letztem Schritt diesem Prozedere folgt.11

 

Da haben wir sie plötzlich, die, keineswegs alt und verstaubt, sondern durchaus lebendige Gralsgeschichte.12 Was war zuerst? Das Wort (Schwingung)? Der Ton (Frequenz), das Licht (Energie)? Alles ist richtig. Wie unser Planet besteht auch unser Organismus zu einem großen Teil aus Wasser. H2O. Wasserstoff und Sauerstoff. Wasserstoff ist nicht nur Träger eines grenzenlosen Energiepotentials, sondern auch dazu fähig, aus sich selbst heraus das, was sich Leben nennt, zu erschaffen. Dazu braucht es den Sauerstoff, mit dem er eine stabile und feste Bindung eingeht. Die beiden lieben sich heiß und innig: Sobald sie aufeinander treffen, heiraten sie schnell und unter viel Getöse. Sieht man sich die Forschung von Alexander Lauterwasser (o. Masuru Emoto) an, findet man schnell heraus, dass Wasser, sobald es bestimmten Frequenzen ausgesetzt ist, plötzlich symmetrische, fast lebendig wirkende Formen annimmt. Diese Muster scheinen einer höheren Ordnung zu gehorchen. Nehme ich eine Frequenz wahr, kann ich daraus bereits auf die Form, welche sich bilden wird, Rückschlüsse ziehen.

 

Tanzendes Wasser.

 

Woher kommt eigentlich die Auffassung, Wasser verfügte über kein Bewusstsein? Wo wir doch selbst zu einem überaus großen Prozentsatz aus Wasser bestehen!? Und genau das unsere „Seele“ im eigentlichen Sinne auch ausmacht. Auch unser Planet ist eine Lebens-Form und verfügt, ebenso wie wir, über ein Bewusstsein.13 So, wie jede einzelne Zelle unseres Körpers Anteil am Kollektivbewusstsein unseres Gesamtorganismus hat, stellen auch wir Teil des Kollektivbewusstseins unseres Planeten dar.14

 

Das kommunikative Bewusstsein unseres Universums ist also eine „psychische Erkrankung“? Hier existiert m.E. Mangel an Bereitschaft eines Großteils der Gesellschaft, über den eigenen Horizont hinauszublicken. Wir leben im Korsett der Norm. Gut. Wollen wir jetzt jeder Giraffe, die sich ins Eselgehege verirrt, den Kopf abschlagen?

 

Durch stetige Wiederholung von Strafe wird die Angst, von Normwerten abzuweichen, geschürt, bis sich diese weit in unseren Wesenskern hineingefressen hat. Unter "Lernen" versteht jedermann nur noch, dazu angeleitet zu werden, vorgefertigte Schablonen auszufüllen. Das einzige worauf es ankommt, ist die Kunst der Unterwerfung. Ein Schema, welches den natürlichen Gedankenfluss blockiert. Starr auf das Erfüllen von Idealvorstellungen fixiert, wird alles davon abweichende mit dem Stempel des Dysfunktionalen versehen.18

 

In einer Welt voller Mitläufern und Nachahmern ist die Frage immer die gleiche:

Wie kann gerade das stillste Wässerchen unter uns den Stein der Weisen in sich tragen?

 

Stein => geht unter - ist damit für das bloße Auge unsichtbar.

Die reflektierende Oberfläche des Wassers verbirgt seine Tiefe.

 

Die meisten empfinden es als Sinn ihres Lebens, ausgiebig und ausschließlich das an der Oberfläche reflektierte Spiegelbild zu betrachten. Darunter verbirgt sich jedoch sehr viel mehr als das. Eine Welt, welche sich nur demjenigen eröffnet, der bereit ist, in sie einzutauchen. Dazu gehört aber auch die Erkenntnis, dass es mehr auf der Welt gibt als das, was an der Oberfläche lauert + die Bereitschaft, nicht dasselbe zu tun was alle anderen tun. Und -damit- dann möglicherweise aufzufallen.

 

Verdammenswerter Geisteskranker?

 

Selbstverständlich führen intensivere Sinneswahrnehmungen zu vermehrtem psychischem und physischen Stress. Dazu kommt: Eine verstörte Seele benimmt sich verstörend. Noch einmal: die Ursache für das Problem liegt im Umgang mit diesem Phänomen. Hier werden vielerlei Talente verschenkt, Potentiale nicht genutzt. Betroffene, die nach langer Zeit des Lernens Erwartungen von Standardmenschen zu erfüllen vermögen, werden dadurch nicht zwangsläufig gesunder oder gar glücklicher – im Gegenteil! Man leidet unter dem ausgeübten Anpassungsdruck.

Hier müssen, um zu überleben, auch die Giraffen Esel sein sein.

 

Die „Norm“ kann kein Indikator für geistige Gesundheit sein!

 

Mir aufgrund meiner Andersartigkeit mein eigenes Dasein zum Vorwurf zu machen, bedeutete für mich: das Leben selbst wurde zu einer Ohrfeige.

 

Herzzellen, Gehirnzellen, Arschzellen. Jede Zelle hat eine ganz bestimmte Aufgabe. Was wäre unser Organismus, wenn wir alle gleich wären? Ein formloser, lebensunfähiger Klumpen! Die Spezialisierung jeder einzelnen Zelle ist entscheidend. Alles Durchnormen zu wollen, wäre, wie z.B. eine Zelle aus dem großen Zeh zu holen, sie anschließend ins Herz zu verpressen, um daraufhin von ihr zu verlangen, Aufgabe und Funktion von Herzzellen zu übernehmen. Weil dem neuesten Trend nach vielleicht Herzzellen gerade das Non plus Ulrtra darstellen und der große Zeh einen minderwertigen Körperteil repräsentiert. Typisch einschränkende Denkweisen – nach welchem alle gleich sein sollen. Und das Resultat? Der Gesamtorganismus würde daran zugrunde gehen. Zu behaupten, das Leben dieser oder jener Zelle sei entartet oder lebensunwert, bloß weil sie anders funktioniert als andere, ist falsch, wie es falscher nicht sein kann.

 

Manche Menschen weisen eine besondere Spezialisierung auf. Meine Wahrnehmung glich einer Schallplattennadel, die feine Unebenheiten aufspüren und diesen Gestalt verleihen konnte. In einer von Besen dominierten Welt kann man natürlich die Idee aufkommen, zu versuchen, mit diesem fein abgestimmten Instrument den Hof zu kehren. Daraufhin wird man, oberflächlich betrachtet, sehr schnell zu dem Schluss kommen, Schallplattennadeln seien generell dysfunktional, da sie sich zum kehren nicht eignen - und daher minderwertig. Das stimmt! Aber nur aus der Sicht eines Besens.

 

Alles hat seinen Platz in dieser Welt. Andersartigkeit bedroht uns nicht etwa, sie ist ein Geschenk! Haben wir erst herausgefunden, wofür Dinge gut sind, können wir uns mit den abstrusesten Dingen auf einmal ganz prima arrangieren. Trotzdem kann sich nach wie vor kaum einer vorstellen, von dieser Art Nazidenken abzulassen. Wir benehmen uns - wie ein außer Kontrolle geratenes Immunsystem, das sich gegen sich selbst richtet. Solange kein Raum für freie Entfaltung gegeben wird, werden auch besonders begabte Kinder weiterhin als nutzlose Last, Strafe oder Bürde angesehen werden, als Makel, den es bloß mühselig abzustreifen gilt. Wie soll ein Samenkorn ohne einen zu ihm passenden, fruchtbaren Boden anfangen zu wachsen? In dem Fall können wir auch gleich mit der Euthanasie wieder anfangen.22

 

Fach-Literatur stellte eine in der Hinsicht sehr einseitig Negativ-Berichterstattung dar. Für jede Form von Andersartigkeit eine Schublade erschaffen zu wollen, ist eine nur geringfügig erfolgversprechende Sisyphusarbeit. Wehe, einer funktioniert mal nicht genau nach Vorschrift. Das wird notiert! Und schon gibt es eine weitere Anleitung – zum Stempeln.

Honig-ums-Maul-schmieren habe ich tatsächlich nie gelernt. Getratsche und Smalltalk schmerzen mich selbst dann, wenn ich an dem Gespräch nicht einmal selbst beteiligt bin. Trotzdem möchte ich andere Menschen damit, ihnen aufrichtig gegenüber zu treten und dabei eine präzise Wortwahl zu verwenden, nicht verletzen! Genau das wird aber immer wieder gern unterstellt.

 

Die sich gegenseitig beschauspielernde Norm: Wenn auch ohne dahinterstehende böse Absichten: Lügen sind unfein.

Wer mit Falschgeld bezahlt, ist, selbst dann wenn er dieses nur von jemand anderem übernommen hat - ist ein Betrüger. Selbst von einem Betrüger aus Versehen nehme ich kein Falschgeld entgegen und erst recht bezahle ich selbst nicht damit. Ein normaler Mensch scheint das aber ganz anders zu sehen. Falschgeld ist auch Geld. Solange nur keiner den Betrug bemerkt. Und genau das ist bei mir der Fall. Ich bemerke es! Und wer fühlt sich davon betrogen? Ganz genau.

 

Die Welt ist eine Bühne, die Bühne der Lügen. Es geht gar nicht darum, sich im Rahmen von Gessprächen auszutauschen, sondern um ein Nach-dem-Mund-Reden und Sprechzeit-Garantien.

Der Todfeind jeder konstruktiven Unterhaltung: das meist sehr knapp bemessene Verfallsdatum des Erinnerungsvermögens. Manchmal komme ich mir vor wie ein Diktiergerät, so oft, wie ich wieder aufspulen muss, was mein Gesprächspartner gerade noch eine Sekunde zuvor gesagt hat – da die Leute es nicht einmal schaffen, sich selbst beim Sprachen zuzuhören.

Dieser Vorgang, sich während eines Gespräches alles zu merken (inklusive der eigenen Gedankengänge hierzu), das Ganze hinterher ebenso wieder aufspulen zu können, kostet enorm viel Kraft. Diese möchte ich nicht für das Rekrutieren von Belanglosigkeiten verschwenden.

In der Hinsicht bin ich tatsächlich zu keinen Kompromissen fähig. Allerdings freue ich mich, im Gegensatz zu manch anderen, vor allem über den meinen entgegen gesetzte Auffassungen. Ein Austausch mit jemanden, mit dem ich mir sowieso schon vollkommen einig bin, ist Zeitverschwendung.

 

Mein werter Herr Vater war so einer von der Sorte: seine Perspektive => die einzig Wahre. Und das hatte man auch anzuerkennen.

Heute glauben offenbar alle, die so etwas wie Psychologie, Sozialpädagogik oder Neurologie (aus der durch das Studium eine solche Haltung plötzlich rechtfertigenden Logik) studiert haben, deshalb über andere Menschen Urteile fällen zu dürfen. Nach dem Universitätsbesuch neigt so manch einer dazu, sich im eigenen, sorgfältig von der Realität abgeschirmten Glaubenssystem als Ausgeburt sozialer Kompetenz betrachten zu dürfen.

Statt viel gepriesener Vielfalt, die, hätte man nicht soviel Angst vor Veränderungen, zu genehmigen wir durchaus in der Lage wären, haben wir sie hier auch wieder: die Einfalt.

 

Sein Alleswisser-Gelaber wurde irgendwann wirklich penetrant. Man konnte kein - normales - Gespräch mit ihm führen! Versuchte ich es dennoch, wurden im Rahmen eines fachlichen Monologs plötzlich die haarsträubendsten Urteile über einen gefällt. Weder war ich dazu aufgefordert, irgendetwas zu sagen, noch Gegenüber genug, um mir ein eigenes Urteil bilden zu dürfen.

Ich schien mal wieder zu existieren aufgehört zu haben. Wie im Kindergarten bereits erprobt, entdeckte man mich offenbar nur für das Bedürfnis wieder, mir irgendetwas Schreckliches anzudichten. Der Buhmann wurde wieder aus dem Schrank geholt, abgestaubt *Hust* um als Punshingball für unausgegorene, generationsübergreifende Konflikte zu fungieren.31

 

Eine Zeit lang reagierte ich mit Erstaunen und Unglauben, welche darauf tiefer Fassungslosigkeit wich, die dann irgendwann in wilde Grübelei umschlug. Eine Zeit lang überlegte ich, ob er vielleicht verrückt geworden war? Reden ging nicht, also blieb mir nichts anderes übrig, als auch diese Schlecht-Wetter-Front wie gewohnt auszusitzen. Mein Vater schwurbelte fortwährend mit ominösen Therapiegedanken um mich herum. Beim ersten Mal, als er mir eröffnete, ich sei "psychisch krank", vermutete ich insgeheim, er habe nicht mehr alle Tassen im Schrank. Worum ging es ihm überhaupt bei all dem? Ohne in die Lage versetzt worden zu sein, seine vielen sorgenvollen Gedanken nachvollziehen, ließ ich ihn einfach im Regen stehen. Andere Themen waren einfach viel interessanter.

 

Was für eine schreckliche Erfahrung muss es sein, wenn man als Eltern feststellt, dass erst das eine und dann auch noch das andere Wunschkind in unerreichbare Ferne zu entschwinden droht, nicht Obergelehrter Dr. Dr. Erfolgreich wird... Er meinte tatsächlich, jedem (inklusive mir, nur dass ich davon nichts wissen wollte!) erzählen zu müssen, ich würde mein „Leben nicht auf die Reihe kriegen“, nur weil ich nicht genau das tat, was er mir befahl. Wahrscheinlich wäre Niemand auf so eine Idee gekommen, hätte er sich da nicht so hinein gesteigert. Vermutlich hätte man eher Beifall dafür gespendet, dass ich bereits so früh auf eigenen Beinen gestanden hatte. Aber so ... Oh, ja! Diese ominöse, komische Tochter.

 

Sehr stolz darauf, etwas gut zu können und mit meinen eigenen Händen erschaffen zu haben, versuchte ich tatsächlich, ihm meine Arbeit zu präsentieren. Leider interessierte ihn das überhaupt bis gar nicht. Viel mehr bewanderte es ihn, wie er mir wohl würde "helfen" können. Nachdem ich einmal unbemerkt einen Besuch meines Vaters auf der Baustelle abgestattet bekommen hatte, kam mein neuer Chef eines schönen Nachmittags zu mir und sagte:

« Ah, tust du dich wieder mit deinen Stimmen unterhalten »..

Verwirrt antwortete ich:

« Ernsthaft jetzt: Wovon zum Teufel redest du da bitte gerade? »

Erschrocken fing er an, herum zu drucksen:

« Ja, also, … Letztens waren hier so Leute, die haben erzählt, Du würdest dich gerne mit irgendwelchen Stimmen unterhalten... » betonte er theatralisch, als wenn mich dafür nun gefälligst zu rechtfertigen hätte.

So. Aha. Leute, die von Stimmen erzählten - welche ich angeblich hören würde ...? Was hatte das, wenn irgendwelche verrückten Penner auf der Baustelle aufkreuzten und hirnverbrannten Stuss von sich gaben, denn bitte mit mir zu tun?!

« ... Mit was für Stimmen denn bitte??? »33

Natürlich unterhielt ich mich tagsüber, sporadisch, mit diversen Stimmen. Seiner, der meiner Kollegen - aber das hier kam mir so vor, als wären diese damit gar nicht gemeint?

« Ja, mit so unsichtbaren, ... ich weiß es doch auch nicht, keine Ahnung!! »

Er sah etwas hilflos drein und hob in einer herzerweichenden Unschuldsgeste seine Hände und Schultern.

« Hör mal gut zu. Du kennst mich doch, oder? » startete meine Lektion an Mr. Kleinkind.

« Ja, schon... »

« Du musst doch nicht immer gleich alles glauben, was dir irgendwer erzählt ?!! »

Wie blöd konnte man eigentlich überhaupt sein? Und dann auch noch damit zu mir zu kommen. Das schlug dem Fass den Boden aus. Diese „Leute“ wollte ich mir wohl gern bei Gelegenheit mal schnappen und ihnen das Hinterteil weich polieren.

« Nein? »

Da konnte man als erwachsener Mensch doch wohl auch selbst drauf kommen, oder?

« Nein. »

« Na guut ... »

Damit dackelte er wieder ab. Kopfschüttelnd sah ich ihm hinterher. Soviel zu meines Vaters Interesse an meiner beruflichen Tätigkeit.

 

Ich bin erst sehr viel später dahinter gekommen, dass ich diese Szene wahrscheinlich einem Auftauchen meiner Eltern auf der Baustelle habe verdanken müssen. Ein Trauerspiel. Die Phantasie ging mit ihm durch. Lustig - Das war ja eigentlich genau das, was er mir immer wieder vorwarf? In einer Phantasiewelt zu leben. Und: offenbar quälte ihn diese unheimlich. Mich enttäuschte das. Er sah mich gar nicht. Wünscht sich doch jedes Kind von seinem väterlichen Vorbild irgendeine Form der Anerkennung. Zu dem Zeitpunkt aber interessierte ihn ausschließlich mein angebliches Gestört-sein. Er erzählte mir lange Horrorgeschichten darüber, dass ich mir meine Welt "bloß ausdenken" würde, was "sehr gefährlich" sei. Eigentlich hätte ich ihm sagen sollen: Alter, der Einzige der auf mich gefährlich realitätsfern wirkt und sich Märchen auszudenken scheint, bist Du! Aber das konnte ich nicht. Eltern sind wichtige Personen, die man respektieren sollte, auch wenn sie mal hin und wieder nicht richtig ticken. Er sah halt nicht, was ich sah, lebte in seiner eigenen Welt. Irgendwann gab ich die Idee, ihn für das zu interessieren, was ich leistete, auf. Er war der arme, von Sorgen um sein Kind gebeutelte Vater. Ich behielt mir vor, damit einfach nichts zu tun zu haben.

 

Wie ich heraus gefunden hatte, war es gar nicht so leicht, brauchbare Informationen über meine besonderen Erlebnisse an Land zu ziehen. Gerade dieser ausufernde Bereich der Esoterik ist in dieser Hinsicht sehr, sehr unergiebig. Esoterische Literatur setzt darauf, dass ihre Leser hingebungsvolle, sowie kritik,- und hirnfreie Allesglauber sind, weder in der Lage, die eigenen Gedanken - geschweige denn die anderer Menschen - differenziert zu betrachten. Schön schwafeln und Second-Hand-Wahrheiten zur Erleuchtung erklären? Ich merkte sehr schnell, ob jemand Ahnung hatte, von waser sprach,34 oder zu der Sekte der Reproduzierer angehörte. Selbstverständlich las ich auch einige Bücher von mehr oder weniger bekannten Magiern. Wenn man die darin beschriebenen Rituale losgelöst von dem Hintergrund ihres Entstehens betrachtete, war meiste war ziemlich unverständlich. Also sah ich mich mehr als historische Entdeckerin.

 

Das Wesen der Magie und andere unerklärliche Phänomene versetzen Menschen in Angst. Die Angst vor dem, was wir nicht kennen oder verstehen können, ist gut mit der Angst vor der Dunkelheit zu vergleichen. An der Stelle, wo man nichts sieht, lässt sich beliebig jede erdenkliche Teufelei hin-phantasieren. Mehr noch als die Angst vor dem was wir kennen - plagt uns Angst vor dem großen Unbekannten. Und deshalb gehen viele davon aus, Magie in all ihren Formen sowie auch die Literatur darüber sei grundsätzlich Teufelswerk.

 

Das sollte man differenziert betrachten.

Die Bibel: ein Buch, geschrieben von Menschen für Menschen. In ihrem Namen wurden Milliarden dahin geschlachtet. Ist sie deshalb als ein Buch des Massenmords verschrien? Aber warum denn nicht? Wirklicher Satanismus entsteht in keinem Buch. Er ist vielmehr das, was uns im Alltag begegnet.42 Im Fall der Bibel ist uns das bewusst. Hier zeigt sich überdeutlich, wie begrenzend (und auch gefährlich) Worte sein können.43

 

"Do what you whilt" diktierte "Aiwaz" Aleister Crowley während eines Channelings, als dieser, Erleuchtung (Absolution, vielleicht auch Macht) suchend in tiefer Meditation versunken in seiner Pyramide herumsaß. Jeder, der wie Aiwaz die Regeln und Gesetze des Kosmos kennt, kann (mit etwas Glück) vielleicht ganz ganz entfernt nachvollziehen, wie die Mitschrift des sogenannten "Buch des Gesetzes" zustande gekommen ist. Bei ihrem Studium sollte man sich zunächst bestimmte Fragen stellen:

 

  1. Wie ist die Kreatur, die gechannelt wird, mit dem Medium, welches sie channelt, verbunden (die Wesenheit kann, genauso wie derjenige, der sich als Medium zur Verfügung stellt, von niederen Instinkten durchdrungen und durchaus auch von begrenzter Intelligenz sein) ?

  2. Woher gibt das Wesen, welches gechannelt wird, an – herzukommen + kann davon ausgegangen werden, dass es schon einmal auf der Erde inkarniert war (und wenn ja, als was + wann + in welchem Setting) ?

  3. Welche Mitteilungsform wurde verwendet, um mit dem Medium zu kommunizieren (welche Sprache? Oder, bei Telepathie: Bilder, Gefühle, u.a.) ?

  4. Hat der Empfänger der "Nachricht" diese bloß interpretiert und in die gesprochene, moderne menschliche Sprache übersetzt, oder hat er sie wortwörtlich (klangfarblich oder als einzelne Lettern) übernommen ?

  5. Welche Äußerung ist aus diesem Kontext (subjektive Erfahrungswelt der Wesenheit, gepaart mit der subjektiven Welt des Mediums) wie zu verstehen ?

  6. Ist des Lesers subjektiv-begrenzter Erfahrungshorizont ausreichend, um von einem allgemeingültigen Verständnis ausgehen zu dürfen?

  7. Werden andere, an die ich diese Worte weitergebe, durch sie ein ebensolches Verständnis erlangen ?

  8. Hat derjenige, der „Empfänger“ einer solchen Nachricht ist, möglicherweise bloß eine übergroße Phantasie ?

  9. (...)

 

"Willen" ist etwas sehr Reines. Reiner Wille "ohne die Lust am Resultat"44 kann die Urkraft anrufen. Ein Schamane/ Magier erhält durch seine Fähigkeit, den Kräften des Kosmos zu dienen, die Möglichkeit, mit ihnen im Einklang zu wirken.45 Auch hier - ein Spiegelprinzip: Die Bereitschaft, zu dienen, verursacht Dienstbarkeit. Soweit, so gut. Diene ich jedoch, um Dienstbarkeit einzufordern, wird auch mir nur gedient werden, um Forderungen an mich zu stellen. Dies hat weniger von Einklang als vielmehr etwas von einer geschäftlichen Beziehung. Und ein von der Urkraft (dem Göttlichen in uns) abgekehrter Willen ist kein Willen - allerhöchstens dessen Gegenspieler. Der Wunsch zu unterwerfen lässt uns zu Sklaven (z.B. der eigenen Begierden) werden.

 

Mit "Liebe ist das Gesetz, Liebe unter Willen" diktierte Aiwaz seinem mystisch entrückten Follower: Liebe möge (d)einem bewussten Sein entspringen (+ nicht Ausdruck selbstischer Gier sein). Das hat selbst Crowley schon gründlichst missverstanden.

 

Mit "Liebe" ist hier die selbstlose Hingabe an den Vorgang der Schöpfung gemeint. Dieser drückt sich nicht zwingend in irgendeiner banalen Gier nach Besitz46 aus. Es kann das Erschaffen eines Kunstwerkes oder ein selbstvergessenes Musizieren sein. Da Worte schier unglaublich große Interpretationsmöglichkeiten bieten, sind sie leider auch sehr gefährlich. Das wusste Aiwaz, weshalb Crowley von diesem die Anweisung erhielt, die Mitschrift dieses Zwiegesprächs nach seinem Studium unmittelbar zu vernichten. Was dieser jedoch nicht tat, weil ihm dafür sein übergroßes Ego viel zu sehr im Weg stand. Die Messege war: Lass dich nicht aufhalten von irdischen Ketten, tue was du willst - wolle, lebe, liebe!47 Um die Worte Aiwaz´ zu verstehen, musste man sich bereits in einem Stadium des bewussten Sein befinden. Sobald sie aus einem egozentrischen Weltbild heraus verstanden wurden, verfälschte sich ihr Charakter derart, dass sie zu einer Gefahr geworden sind.

 

Als ich mich in meiner Jugend das erste Mal mit Crowley beschäftigt habe, fragte ich mich zu allererst verwundert: Was hat Yoga denn bitte mit dem Satan zu tun? Später fand ich eine Antwort darauf heraus: Als wir in der westlichen Welt noch nicht wussten, worum es sich dabei handelte, wurde (so wie es allen neuen und noch unbekannten Dingen widerfährt) diese Praxis tatsächlich erst einmal gesellschaftlich verteufelt. Was habe ich von Crowley gelernt? Kinder opfern? Nein. Pingala und Ida! Die hab ich kennen gelernt! Auch Crowley scheiterte unter anderem daran, sich die Kräfte des Lichts in einem Zustand geistiger Umnachtung untertan machen zu wollen. Da war er nicht der Einzige!

 

GOTT erschafften wir uns als menschenähnliches Wesen, taten dies aber im Rahmen unserer begrenzten Vorstellungen von Gut und Böse. Mit dieser giftigen Frucht des Schwarz/weiß-Denkens haben uns vor geraumer Zeit die Kirchen gefüttert - nun wollen wir sie an unsere Kinder weitergeben. Würde Jesus o.ä. in der heutigen Zeit wieder geboren, würde man ihn dafür, dass er ist, was er ist, so schnell wieder ans Kreuz nageln, dass ihm kaum mehr Zeit bliebe, bis drei zu zählen.49 Die bis zur völligen Verblendung „Gläubigen“ würden ihn nicht einmal dann erkennen, wenn er direkt vor ihnen stünde. Missioniererei ist die größte auftretende Form von gottloser Kraft, die es gibt,- und ausnahmslos das Werk von Dunkelmächten.50

 

Es vergingen Jahre mehr oder minder intensiven Suchens nach Erklärungen für mein reichlich schräges Da-Sein. Schon hatte ich die Hoffnung beinahe aufgegeben, da war mir ein Verlag aufgefallen, der ein paar Schriften von A.C. aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt hatte. Im beiliegenden Werbeprospekt befanden sich zusätzlich dazu auch noch einige vom Verlag selbst verfasste Schriften. Was war das?! Das roch ganz verdächtig nach einer Sekte.

 

Entgegen meines ursprünglichen Entschlusses rang ich mich aber ein Jahr später doch dazu durch, an einem der unaufdringlich angebotenen Seminare teilzunehmen. Wie ich herausgefunden hatte, widmeten sie sich der Aufgabe, parapsychologische Phänomene zu erforschen? Nach so langer Zeit des Suchens und des Wartens würde es endlich jemanden geben, mit dem ich mich über meine außergewöhnlichen Fähigkeiten austauschen könnte? Trotz der unpersönlichen und neutralen Art und Weise, in der ihre Werke verfasst waren, hatte ich Angst.

 

 

Was sollte da auf mich zukommen?

 

Hatte ich einen Fehler gemacht?

 

Und, falls ja, führte ein Weg zurück?

 

 

1 (wahlweise fielen auch die Kinnladen herunter, das war mir auch schon auf der Arbeit so ergangen - es konnte von den Kerlen einfach keiner glauben, dass eine Frau soviel Kraft und Arbeitsgeschick,- so wie Geschwindigkeit an den Tag legen konnte)

4 (die Gefahr: Man kann von der darüber eher uninformierten Masse zu einem anbetungswürdigen Idol oder aber auch zu einem verdammenswerten Geisteskranken abgestempelt werden. Zu was auch immer einen der, der das gerade alles gar nicht versteht, dann zu verurteilen sich hinreißen lässt- plötzlich steht man als vom Teufel besessen oder angeblich von Gott begnadet da, ohne zu wissen, wie einem geschieht. Niemals die Verblendung von Fanatikern unterschätzen!!!!)

6 (der Trainer, der den Test durchführen sollte, bewegte sich, während er sich mit mir beschäftige, von Schreck zu Schreck, jeder einzelne davon um eine Nummer größer als der vorherige)

7 (allerdings vergesse ich mitunter einfach, Nahrung zu mir zu nehmen => darauf besser zu achten, habe ich mir erst mühsam antrainieren müssen. Bin ich auf irgendwelche anderen Dinge fokussiert, nehme ich meinen Körper nicht mehr richtig wahr => gesund ist das nicht!)

9 (Daran ist nichts besonderes: alle lebenden Wesen nehmen Magnetfelder auf diese Weise wahr. Wir können diese Kraft unserer Gedanken sogar selbst erzeugen.Trotzdem wird immer erst einmal verteufelt. Lieber möchten wir die Schöpfung unserer Begrenztheit anpassen, als engstirnige Sichtweisen auch nur für einen Moment aufzugeben)

11 (ich vermute deshalb, dass vielleicht die Planeten (oder nur die Sterne) unsere Geschicke hier auf der Erde zu einem guten Anteil mitbestimmen. Eventuell haben deshalb die Maya, Indianer, Ägypter (und vielleicht sogar auch noch ältere Kulturen, von denen wir nichts wissen) den Sternen und Planeten so viel Aufmerksamkeit entgegen gebracht?)

12 (welche eigentlich nur unsere Entstehungsgeschichte ist)

13 (mit welchem man sogar aktiv kommunizieren kann)

14 (was bedeutet: wir leben nicht wie die Flöhe auf unserem Hund - sondern: wir sind der Hund!)

18 (was mit jenen passiert, die von diesem Weg abweichen, wissen wir ja: zunächst im Spießrutenlauf gefoltert und dann im Todeskrampf über zwei Jahrtausende öffentlich zur Schau gestellt)

22 (derzeit ist man nicht weit entfernt!)

31 (bei aller Liebe, klar (!) ist es so, dass man zwecks Erhaltung der eigenen Art seine Kinder davor zu bewahren versucht, Opfer der Fehler zu werden, die man in seinem eigenen Leben gemacht hat. Dann ist der Nachwuchs sehr viel schlauer und, weil gewappnet, nicht dazu gezwungen, diese zu wiederholen. Aber erfundene Fehler als Rechtfertigung dafür zu benutzen, jemanden zu einer Unperson zu machen, ist ganz klar übers Ziel hinaus geschossen. Ganz allgemein gefragt: aus welchem Grunde gilt gezielte Erniedrigung eigentlich als "Erziehung"? Wenn wir die Vorbilder unserer Kinder sind, wozu werden sie dann "erzogen"? Genau.)

33 (und, genauso wichtig: was für Leute ?? … dass meine Eltern tatsächlich da gewesen sein könnten, auf so einen abwegigen Gedanken kam ich gar nicht.)

34 (selbst dann, wenn dieser Mensch, um seine Orientierungslosigkeit zu verschleiern, inflationär von fachsprachlichen Jargon Gebrauch macht)

42 (Kein Buch, keine religiöse Doktrin kann unser Gewissen und den damit verbundenen gesunden Menschenverstand ersetzen und wir sollten ihn auch keinem Buch zu Liebe jemals aufgeben!)

43 (: insb. geschriebene)

44 (wie Crowley auch nicht müde wurde, immer wieder zu betonen - hat er also doch etwas verstanden?)

45 (ein Prinzip, welches „Magie“ im Sinne eines Verständnisses von Manipulation - entgegen ihrem eigentlichen Charakter schon ausschließt - weshalb der „Glaube an Magie“ ebenso richtig ist wie der Unglaube an ebensolches)

46 (sowie der rücksichtslosen Unterwerfung von allem, was sich dieser widersetzt)

47 (die Begriffe "Liebe", "Leben", und "Willen" sind in ihrem Energiefeld eine einzige, von einander nicht separiert agierende Kraft)

49 (mit der Begründung, dass er diesem Irrglauben ganz schnell abschwören müsse)

50 (an dieser Stelle ein schönes, sehr passendes Zitat: " Gott kommt auf die Erde, um eine Religion zu gründen und der Teufel kommt gleich hinterher und organisiert sie" - Vivekananda



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